Den sinkenden Gratszins werden Kunden in den Sparten Kapitallebens- und private Rentenpolicen, geförderte Angebote wie Riester, Rürup- und Betriebsrente, zudem Berufsunfähigkeits-, Pflegezusatz- und manche Unfallversicherungen spühren. Das betrifft allerdings nur Neukunden. Und denoch besteht kein Handlungsbedarf, denn der Garantiezins bezieht sich nur auf den Sparbetrag. Von dem eingezahlten betrag werden zudem auch noch die Kosten abgezogen. Und diese sind bereits so hoch, dass bereits jetzt schon kaum noch etwas vom Garantiezins übrig bleibt.
Bei vertrögen, in denen mindesten 20.000 Euro Auszahlung zugesichert werden, rentiert sich ein Euro gerade mal mit 0,81 Prozent je Jahr. Bei Verträge die unter 20.000 Euro liegen, sind es nur noch 0,51 Prozent. Die niedrigere Prozentzahl bei kleineren Vertrögen ensteht durch höhere Kosten und einem geringeren Zinseszins. Bei einem Garantiezins von nur noch 1,25 Prozent kann es bei kleineren Vertägen sogar passieren, dass die angesparte Summe sich verringert. Jetzt noch schnell einen Vertrag abschließen, würde zumindest nominal kein Geld verloren gehen. Allerdings könnte sie durch eine steigende Inflationsrate doch ins Minus geraten.
Wer kündigen will, bekommt bald mehr ausgezahlt
Im Prinziep spricht eigentlich alles dafür, gerade erst im neuen Jahr 2015 eine Lebensversicherung abzuschließen. Denn laut Gesetz dürfen Versicherer ihren Kunden ab 01. Januar 2015 nur noch 2,5 Prozent Abschlussprovision in Rechnung stellen. Bis jetzt waren vier Prozent erlaubt. Diese absenkung bedeutet, dass Kunden bei einer Kündigung mehr ausgezahlt bekommen. Der Rückkaufwert - das, was bei einer vorzeitigen Kündigung ausgezahlt wird - steigt. Frank Schepers, Leiter der Versicherungssparte bei der Unternehmensberatung Towers Watson schätzt, dass "das Plus in den ersten 15 Jahren etwa 15 Prozent beträgt". Je länger die Laufzeit ist, um so geringer wird der Rückkaufwert. "Die laufenden Verwaltungskosten werden wohl steigen."Die Stuttgarter Lebensversicherung hat bereits angekündigt, zum Jahreswechsel die Abschlussprovision an die Vermittler im gesetzlich vorgesehenen Umfang zu kürzen und stattdessen mehr im Vertragsverlauf zu berechnen. Die Württembergische geduziert sogar beide Kostenarten.
Fazit: Jetzt noch schnell wegen sinkendem Garantiezins einen Vertrag abzuschließen, ist nicht empfehlenswert. Sogar in der Branche ist man dieser Meinung. Alf Neumann, der im Vorstand des Marktführers Allianz Lebensversicherung für Privatkunden zuständig sagt: "Ich rate davon ab, nur deshalb zu unterschreiben".
